• Rabina

    Wann mein Lymphödem so richtig begonnen hat, kann ich gar nicht sagen. Ich war immer dick. Sehr dick sogar. Und mein Vater sagte beim Hosenkaufen stets: „Kind, du hast richtige Radfahrer-Waden.“ Aber mehr als dieses Problem hatte ich nicht. Keine Schwellungen oder andere Symptome.


    Erst mit Anfang 20 bemerkte ich, dass im Sommer die Beine ihre Form verloren. Natürlich ging ich zu meinem Hausarzt, und der sagte (wie auch viele Hausärzte nach ihm): „Nehmen Sie ab! Dann wird das besser. Und wenn es mal besonders schlimm ist, legen Sie die Beine hoch. Achja, und Wechselduschen nicht vergessen!“


    Nun ja, wenn man jung ist (und ahnungslos) glaubt man natürlich nicht daran, dass so etwas wie Kompressionsware überhaupt notwendig sein könnte. Das ist ja eher etwas für alte Leute. Zumindest dachte ich das damals und die Begründung Übergewicht klang ja auch schlüssig. Also tat ich jahrelang gar nichts und erduldete das Problem bis … ja, bis (inzwischen war ich 39 Jahre alt) während eines wunderbaren Sommers meine Beine so dick anschwollen, dass ich Dehnungsstreifen an den Unterschenkeln bekam. Auf zum Arzt. Mal wieder.


    Mittlerweile hatte ich aufgrund einer Magenverkleinerung 70 kg abgenommen und das Problem der geschwollenen Beine war nicht wie durch Zauberhand verschwunden. Also musste das ja doch etwas mehr dahinterstecken. Mein Hausarzt überwies mich zum Kardiologen. Eventuell hatte ich ja ein Herzproblem und deshalb Wasser in den Beinen.


    Nein, das Herz war es auch nicht, aber die Überweisung erwies sich dennoch als vorteilhaft, weil ein anderes – vom Lymphödem unabhängiges – Problem festgestellt wurde und nun behandelt wird. Zudem war es letztlich der Kardiologe, der mich zum Phlebologen überwies. Der erstellte die Diagnose: Lip-Lymph-Ödem. Gleichzeitig erklärte dieser mir, dass er Patienten mit einer solchen Diagnose nicht behandele. Man könne da ja sowieso nichts machen außer Strümpfen und einer OP für das Lip-Ödem.


    Obwohl ich das Verhalten ziemlich befremdlich fand, stritt ich mich nicht herum. Mir war es lieber, dass ein Arzt mir klar sagte, er möchte mich nicht behandeln, als an einen Arzt zu geraten, der alles halbherzig und eventuell auch gar nicht fachkundig handhabt – so wie die Ärztin (mit Schwerpunkt Lymphologie), die ich mir danach aussuchte und die mir Lymphdrainagen verweigerte, weil ich mich mit meinem Aquafitness angeblich so schädlich bezüglich des Lymphödems verhalten würde. Diese hat aus der Diagnose Lip-Lymph-Ödem auch ein reines Lymphödem gemacht, weil ihr Symptome für das Lipödem fehlten. Es mag sein, dass sie zumindest in dieser Hinsicht Recht hat, aber da ich gerade wieder den Arzt wechsle, wird die Diagnose vermutlich noch einmal überarbeitet.


    Das alles bleibt wohl bis zu meinem Lebensende eine spannende Geschichte. Wirklich arrangiert habe ich mich mit der Diagnose und den Strümpfen noch nicht, obwohl ich jetzt schon seit knapp einem Jahr versorgt bin und auch alles gut passt. Meine Sani-Fee war auch wirklich ein Engel und hat mich in meinen dunkelsten Stunden getröstet. Ich bin ihr da wirklich unendlich dankbar und kann da jedem nur wünschen, dass er auch so ein Glück hat.